Patience Percival
Ich habe diese Nacht geträumt, dass ich im Veloanhänger einen Top – Banker herumchauffiert habe, riesengross war der, aber irgendwie nett, und ausserdem Däne. Seine Name war Patience Percival.
Da weckte die kleine Fee mich auf, sie schlief zwar gleich weiter, doch ich lag nun wach – im zu frühen Morgen und schmunzelte wegen Herr Percival und vermisste ihn irgendwie auch ein bisschen. Er war wirklich nett gewesen, und ausserdem ein lustiger Traum.
Was er wohl bedeutete? Dass ich mich endlich um das Finanzielle kümmern sollte, das doch schon so lange auf meiner to – do – Liste ausharrt – ganz oben noch dazu, trotzdem immer übersprungen wird, und nun vorwurfsvoll guckt? Je länger ich es schmoren lasse, desto mehr scheint es sich in ein Ausrufezeichen zu verwandeln. Dass ich nach Dänemark fahren sollte? (Diese Erklärung scheint mir ausserordentlich logisch, findet ihr nicht auch?) Dass ich mehr träumen sollte, da Träume immer für eine Überraschung gut sind? Dass ich eine Ladung Geduld durch den Alltag chauffieren sollte, mindestens dänischbankergross? Geht es am Ende um seinen Namen, Herr Patience Percival?
Eine kurze Googlesuche um 05:15 in der Früh bringt Erstaunliches zu Tage. Patience bedeutet Geduld (na ja welch Überraschung;) aber eben auch Ausdauer, abgeleitet vom lateinischen pati – erdulden, aushalten. Percival war ein Ritter der Tafelrunde und sein Name setzt sich buchstäblich aus par ce val zusammen – durch dieses Tal.
Ha. Mit dieser Wendung hatte ich irgendwie nicht gerechnet. Und ob ich auch wanderte im finsteren Tal, so fürchte ich kein Unheil, assoziiert es mir frei, und ich erinnere mich daran, dass dieser Psalm früher ausgerechnet in der Wäscheküche an der Wand hing (nun gut, vielleicht auch nicht sonderlich verwunderlich – für eine fünfköpfige Familie zu waschen braucht ordentlich Patience Percival). Er war gestickt gewesen (der Psalm, nicht Herr Percival; von einer Frau aus noch früherer Generation). Auch sie hatte sich wohl ab und an daran erinnern müssen, dass man beim Tälerdurchqueren manchmal verdammt ausdauernd sein muss; und auch lieber nicht allein.
Wahrscheinlich interessiert euch Patience Percival etwa ebensowenig wie Psalmen und fremde Träume – doch diesen hier fand ich einfach äusserst charmant und habe deshalb beschlossen, darüber zu berichten. Bevor ich ihn, wie so manchen anderen Traum übrigens auch, wieder vergesse und diesewundersamewelt noch mehr verwaist und vereinsamt. Über den Alltag zu schreiben, fällt mir grad schwer. Passiert auch nicht sonderlich viel. Nicht finsteres Tal, aber doch ziemliches Ödland. Waren über Ostern mit Goldmaria Sternenweif am Genfersee. Wir assen Schokolade. Tranken Kaffee. Froren ein bisschen, aber das war nicht schlimm. Der See sah in Nebel und Saharastaub fast ein bisschen aus wie das Meer, bloss roch er anders. Lily freundete sich mit zwei kleinen Französinnen an, die zwar zuckersüss waren, aber mehr oder wenig bei uns eingezogen sind. Es fiel mir nicht leicht, die Tür auch mal zu schliessen.
So, ich wünsche euch noch einen klaren Tag mit ruhigem Wassergang, mit Geduld und Ausdauer, egal welches Tal ihr durchwandert. Und falls ihr es grad braucht, erinnert euch daran (frei zitiert aus Forest Gump): Das Leben ist wie ein Veloanhänger. Man weiss nie genau, was man alles mit durch den Alltag zieht. Und wer weiss, wenn wir uns die Zeit nehmen, genau nachzuschauen, werden wir vielleicht überrascht. Vielleicht ist es ja ein dänischer Banker names Patience Parcival.
Oder auch nur etwas, das man getrost über Bord werfen kann.
Alles Liebe, N.







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Liebe Nina, wie schön von Dir zu lesen. Wollte Dir schon lange geschrieben haben. Ein feinsinnige Geschichte mit Deinem geduldigen Gralssucher. Es braucht wohl immer mal wieder Geduld auf diesem Weg. Drücke Dich, Susanne
Liebe Susanne, wie schön auch von dir zu lesen. Das glaube ich auch. Geduld und einen langen Atem. Drücke dich zurück, Nina