diese wundersame Welt

Dies & Das, Geschichten aus dem Mamaalltag, Träumereien und Rezepte

Ich erinnere mich an eine Reise, die ich alleine mit meinem Vater gemacht habe. Es war im Frühling 99, kurz davor war meine Grossmutter gestorben. Meine Schwester arbeitete damals in England und wir beschlossen, sie zu besuchen. Wir fuhren los in Richtung Frankreich, übernachteten in kleinen Landhotels irgendwo im Nichts, besuchten das Schloss Versailles und McDonalds, etwas was wir stets nur in den Ferien taten. Blühende Rapsfelder zogen Kilometer um Kilometer am Autofenster vorbei. Irgendwann kamen wir ans Meer.

Bestimmt war dies das erste Mal, dass ich den Atlantik sah und wir besuchten Omaha Beach und die endlosen Soldatenfriedhöfe. Ich glaube, da erlebte ich das erste Mal Geschichte. Der einzig «historische» Ort, den ich bisher kannte, war das Rütli.Das Frösteln inmitten dieser endlosen Gräber werde ich nie vergessen. So viele Leben, zu früh ausgelöscht, so viele Träume nie gelebt, Kinder, Mütter und Väter nie mehr wiedergesehen. Noch heute und hier in meiner warmen Stube kann ich es fühlen, das Frösteln. Wir übernachteten in einem kleinen Hotel, gleich hinter einem Atlantikstrand. Der Holzboden knierzte und krächzte. Zum ersten Mal ass ich Moules et Frites, die Besten, die ich je ass. 

Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre über den Kanal und besuchten das Schiff von Admiral Nelson.  Er starb in der Schlacht von Trafalgar.  Nach seinem Tod steckten sie ihn in ein Fass Sherry, so blieb er konserviert bis seine Crew zurück in England war. Wir erlebten vieles gemeinsam, viele Dinge, die mir noch heute nah und vertraut sind. Pub – Essen, das Hinausblicken auf den Atlantik und Warten auf das Auftauchen eines Delfinrückens oder doch wenigstens auf den Kopf eines frechen Seehundes. Linksfahren, Tee trinken, Toast essen. 

Wie seltsam, jetzt 20 Jahre später daran zu denken. Ich bin froh um diese Erinnerung, dankbar, diese Reise mit ihm alleine erlebt zu haben. Und einmal mehr erstaunt, wie die Dinge doch vergehen. Was damals war ist heute genauso vorbei wie eine Angst auf einem Atlantikstrand fünfzig Jahre zuvor oder das Sterben auf einem Schiff vor Portugal. Es ist vorbei. Egal, was ich versuche, die Zeit kommt nicht wieder und er auch nicht. Es gibt kein magisches Fass Sherry, das die Zeit konserviert und Tote wieder lebendig macht. Was bleibt, ist die Erinnerung. Verzogen, verblasst, aber da. 

Bisher bin ich zweimal noch an den Atlantik gefahren. Einmal im Sommer 2015. Himself und ich fuhren, kilometerlang an Rapsfeldern vorbei, bis an den Atlantik und dann mit der Fähre über den Kanal. Einmal noch im Januar 2017. Im Winter besuchten wir die endlosen Soldatenfriedhöfe und spazierten über Omaha Beach. Ich fröstelte. Dann nahmen wir die Fähre nach Irland. In ein neues Abenteuer, das ich ganz alleine, ganz für mich erleben konnte. 

Das nächste Mal als ich in Ou la la – Land war, fuhren wir nicht an den Atlantik. Wir waren mit dem Land Rover Defender unterwegs, ich schwanger, etwa in dem Stadium in dem mein Bauch nach Baby und nicht einfach nach zu viel Schokolade auszusehen begann. Unser Gefährt inklusive Dachzelt sah aus als hätten wir damit auf einsamen Berggipfeln übernachtet, wären durch die marokkanische Wüste gereist und durch Flüsse gefahren (denn wir hatten sogar einen Schnorchel! Also, das Auto, nicht wir). Leute fragten uns, ob sie ein Foto von uns und dem Defender machen dürften und wollten von unserer Reise hören. Wir hatten es schon bis an den Bodensee und dann ins Elsass geschafft, mit einem Umweg über den Schwarzwald! Es waren regnerische, kalte Frühlingstage, aber das war uns nur recht, denn so erhielten wir auf den Campingplätzen die besten Plätze direkt am See oder am Flussufer. Am Morgen schlich ich mit unserer Kamera an den Fluss und fotografierte. Dann setzte ich mich in einen Campingstuhl und trank meinen Kaffee. Irgendwie schmeckt der Kaffee draussen in der Natur, auf einem Gasring gekocht und unter dem freien weiten Himmel getrunken immer am Besten! So auch in Ou la la – Land, das Land, in dem man in jedem kleinsten Käffchen eine Boulangerie findet, die die besten Croissants und Baguettes macht. Und pains au choc! Ich komme wieder! 

Und genau das backe ich jetzt auch; Pains au choc. Denn zu diesem Eintrag wollte ich etwas Wärmendes, Sanftes und Französisches.

Seid gewarnt. Es geht LANGE, bis man in ein fertig gebackenes Pain au choc beissen kann. Die Zeit würde reichen, nach Frankreich zu fahren, eine kleine Boulangerie zu suchen, irgendwo einen café au lait zu schlürfen, heimzufahren, die Verwandtschaft einzuladen, aufzuräumen, die pains gemütlich auszupacken und aufzustellen. 

Die gute Nachricht ist: die meiste Zeit ruht der Teig. Und das Gleiche kann man auch tun.

Die pains au choc werden aus Croissantteig gebacken, also aus einer Mischung aus Hefe und Blätterteig. 

Ich brauche (für ca.16 pains)

  • 300ml lauwarmes Wasser
  • 20g Hefe
  • 500g Mehl
  • 1 TL Salz
  • 40g Zucker
  • 280g Butter
  • 180g dunkle Schokolade, in dünnen kleine Reihen oder in kleine Stücke gebrochen
  • 1 Ei, verquirlt
  • Zeit, Geduld und guten Glauben

Als Erstes wird ein Hefeteig gemacht. 

Dazu die Hefe in 300ml Wasser auflösen lassen, das Mehl in eine Rührschüssel sieben, das Salz, den Zucker und die Hefemischung dazu geben, mit dem Rührhaken einige Minuten langsam und dann nochmals einige Minuten schnell mixen.

Den Teig zu einem Ball formen, in Frischhaltefolie (oder noch besser, ein leicht angefeuchtetes Küchentuch) wickeln und ca. 1 Stunde im Kühlschrank kühl stellen. 

Die Butter aus dem Kühlschrank nehmen (es ist sehr wichtig, dass die Butter kalt ist!), zwischen zwei Backpapiere legen und mit einem Wallholz langsam zu einem Rechteck ausrollen (ca. 10 x 20cm).

Die Arbeitsfläche leicht mit Mehl bestreuen und den gekühlten Teig zu einem Rechteck ausrollen (ca. 25cm x 45cm). Die Butter auf die eine Teighälfte legen, die andere Teighälfte darüber klappen. Den Teig jetzt so drehen, dass die «Öffnung» gegen rechts schaut, sprich als ob man ein geschlossenes Buch hinlegen würde.

Jetzt den Teig wieder zu einem langen Rechteck ausrollen, immer schön in Richtung «Nord – Süd», also immer nur hinauf und hinunter. Das Rechteck sollte eine Grösse von ca.25cm x 60cm erhalten und relativ dünn sein. Dieses Rechteck «gedrittelt falten», sprich einen Teil hoch und den anderen Teil hinunterklappen. Allenfalls rechtliches Mehl mit einem Pinsel wegpinseln und darauf achtgeben, dass die Ecken und Enden gerade sind. 

In Frischhaltefolie wickeln und eine Stunde kühlstellen. 

Den Teig aus Kühlschrank nehmen und wieder wie ein Buch hinlegen (der Teig muss immer gleich gerollt werden, so dass er auch schön aufblättern kann. Das «Buch» ist eine Orientierungshilfe).

Zu einem Rechteckausrollen (ca. 25 x 60cm, relativ dünn), gedrittelt zusammenfalten. Wiederum in Frischhaltefolie wickeln und eine Stunde lang kühl stellen. 

Den Teig wie ein Buch hinlegen und zu einem Rechteck (immer nur gegen oben und unten) ausrollen. Dritteln und kühlstellen. Keine Bange, das war die «letzte Runde». Der Teig kann einfach eine weitere Stunde kühlgestellt und dann direkt zu den pains verarbeitet werden ODER man kann ihn im Kühlschrank bis zum nächsten Morgen ruhen lassen und DANN die pains zubereiten.

Auf jeden Falls aber so vorgehen: den Teig wie ein Buch hinlegen und zu einem langen, dünnen Rechteck ausrollen (ca. 25 x 75cm). Längswegs einklappen, wieder öffnen aber der nun entstanden Linie nach mit einem Messer entlang einschneiden. In Rechtecke auf die ungefähre Grösse ca. 12 x 9cm schneiden. Die Schokolade nahe an aber nicht genau auf den längeren Rand legen. Das pains von der Schokoladenseite her aufrollen und mit der Verschlussseite auf ein mit Backpapier belegtes Papier legen. 

1 ½ – 2 Stunden aufgehen lassen, mit dem verquirltem Ei bestreichen und bei 180° ca. 15 – 20 Minuten backen.

Auf einem Gitterblech abkühlen lassen und möglichst frisch servieren.

2 Gedanken zu “Diese wundersame Welt, von Reisen und pains au choc

  1. wortsalatweb sagt:

    Ou la la, c’est si bon – les pains au chocolat 😋
    Ich fühlte ich um fast vierzig Jahre zurückversetzt. Da haben wir fast die gleiche Route gemacht – nur in umgekehrter Richtung. Von den Fish & Chips, über die belgischen Frites zum Petit noir avec un pain au choc.
    Danke für die Erinnerungen. 😀
    Emma

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