diese wundersame Welt

Dies & Das, Geschichten aus dem Mamaalltag, Träumereien und Rezepte

Wen ich im Alltag zu oft antreffe, ist die Anstrengung. Die Anspannung. „The Push“. 

Sie begleitet mich manchmal bereits zum Zmorgetisch. Und bleibt. Sie presst mir leider keinen frischen Saft, aber die Lippen zusammen, knirscht mit den Zähnen und runzelt die Stirn. Manchmal will sie sich entladen, wenn ich herummaule und schimpfe zum Beispiel, aber sie schafft es nicht, nein, im Gegenteil, sie lädt sich bloss weiter auf. 

„Entspann dich einfach“, ist etwa gleich erfolgversprechend wie dem schiefen Turm zu befehlen, mal eben grad zu stehen. 

Ausserdem ist die Angst eine meiner treusten Begleiterinnen. Manchmal zieht sie sich zurück, geht irgendwohin, wo es ihr noch besser gefällt, doch dann, wenn ich sie überhaupt nicht erwarte, schleicht sie sich an und ich bemerke sie erst, wenn sie ihre kalten Hände über meine Augen legt. „Wer bin ich?“ ruft sie fröhlich, als wären wir noch fünfzehn und beste Freundinnen. Manchmal versucht sie, etwas zu bleiben und möchte es sich gemütlich machen. Sie legt die Füsse hoch und bestellt einen „gekühlten Chardonnay, oder nein, doch gerade die Karte“. Es gab Zeiten, da wusste einfach nicht, wie ich sie wieder loswerden kann. Irgendwann begriff ich: Ich kann Gedanken nicht wegdenken.

So kam ich zur Achtsamkeit. Ich begann mit geführten Achtsamkeitsmeditationen – und versuche mir seither jeden Tag einen Moment Zeit dafür zu nehmen. Ich bin auf der Disziplinskala ja nicht gerade ein Navy Seal (auf der Sportlichkeitsskala übrigens ebenfalls nicht, habe aber gemerkt, dass sich Achtsamkeit und Bewegung richtig gut ergänzen und ich mir mit ein bisschen mehr Bewegung im Leben wahrscheinlich etliche Stunden beim Psychiater sparen kann). Zurück zur Achtsamkeit: gerade weil mir manchmal die Disziplin und notorisch die Zeit fehlt, brauche ich im Alltag Zeiten, in denen eine gewisse Regelmässigkeit aufgebaut werden kann. Und seien es auch nur die 5 Minuten gerade nach dem Aufwachen.

Diese bewussten Momente helfen mir dann tagsüber durch Alltagsstürme und über Alltagstürme (den Doofen, jenen ohne die Weitsicht).

Achtsamkeit hilft mir dabei, das Wuseln zu lassen. 

Zu beobachten. 

Zu fühlen.

Zu sehen. 

Zu sein. 

Loszulassen. 

Erfahrungen ohne dieses ständige „Zuviel an Anstrengung“ zu erleben und mich darin zu entspannen, in diesem „Nichts müssen“. Im „Nichts kontrollieren“. Im „mir nicht ständig den Kopf zerbrechen“. Im „Dinge, die ich jetzt grad nicht ändern kann anzunehmen“. 

Dieses Nichtstun hat nichts mit „faul sein“ zu tun. Im Gegenteil, denn darin liegt eine Kraft und eine ganze Welt, gefüllt mit Ideen und Einsicht und Kreativität und irgendwo, gut verborgen, dem eigenen Ich. 

Ich denke es ist es wert, dieses Ich besser kennen lernen zu wollen.

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