Videotagebuch Kapitel 3 – Weiss -Heiten

Die Welt versinkt in weiss und grau und Selbstzweifel. Vielleicht liegt es am Vollmond, oder dem ersten Schnee, oder den kalten Händen. Auf jeden Fall macht sich Freude und Leichtigkeit rar und Kreativität auch. Sie versteckt sich hinter Büschen und Zweigen, weiss wie ein Schneehase und grau wie die Zeit. Diese tickt und hinterlässt Spuren, Runzeln und Falten. Auf Veränderung zu hoffen, ohne etwas dafür zu tun, sei wie am Bahnhof zu stehen und auf ein Schiff zu warten, sagte Einstein. Ich stehe und warte und lausche dem Ticktack der Zeit. Die Mädels sind aufgeregt, der erste Schnee macht sie fröhlich. Wir gehen raus. Draussen ist gut für meine Seele. Wenn Himself nach Hause kommt, ist es bereits wieder dunkel, und morgens auch. Also packe ich Lily und die Fee warm ein, suche Mützen, und Schals, und Handschuhe, und die dicken Jacken auch. Dann ziehen wir los, Lily schnell auf ihrem Laufrad, hüa ruft sie, denn sie spielt Bibi und Tina und singt laut. Die Fee findet jeden Zigarettenstummel. Es ist schön, draussen mit den Kleinen, doch meine Seele fliegt weniger, weniger weit jedenfalls, bloss zur grossen Strasse, zum nächsten Zigarettenstummel, zur zutraulichen Katze.

Ich möchte so viel und komme zu so wenig. Der Alltag ist vollgestopft, all die kleinen Schubladen voller Krempel; Socken baumeln heraus. Am Boden kleben Nudeln. Meine Nerven liegen blanker als gewöhnlich, blanker als die Mondstrasse und so Einiges geht mir zu nah.

Wenn die Kleinen abends endlich schlafen, male ich. Klatsche Farbe aufs Papier, rot und blau und grün und gelb ins Winterweiss hinein, ohne Anspruch, gut darin zu sein. Du packst das schon, murmelt mein Pinsel. Malen ist gerade deswegen so heilsam, weil ich keine Ansprüche auf Realität habe und schon gar nicht auf Perfektion. So kommt die Freude vorbei und bleibt auf ein Tee. Es ist mir nicht wichtig, wie es aussehen wird, es geht mir bloss um die Handlung und dort drin ist mehr Freiheit und mehr Lockerheit u mehr Mut. Ich glaube, du bist da was auf der Spur, sagt meine Freundin, als wir uns auf einen Waldspaziergang treffen, die Stiefel voller Matsch und die Finger wie Eiszapfen. Vielleicht sollte man so an alles ran, meint sie.

Viellicht.

Winternacht, die Venus funkelt, der Mond schickt Strahlen, die Kleinen schlafen endlich und atmen schon tief. Ein Zeitfenster öffnet sich. Kommt Zeit, kommt Zeit. Kommt Schlaf. Kommt die Freude zurück. Vielleicht nicht über Nacht. Wichtig ist allein, sie nicht aufzugeben. 

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4 Kommentare

  1. Liebe Nina, mich hat der Vollmond auch etwas aus der Bahn geworfen. Aber Dein Video zu schauen, mit den schönen Schneelandschaften tut gut. Ich wünsche Euch einen schönen Dritten Advent, Susanne

    1. Das wünsche ich dir auch ✨✨✨

  2. Ich wünsche Dir ganz viel Mut und Kraft in diesen herausfordernden Zeiten! Farbe auf das Papier zu klatschen hört sich schon einmal großartig an! Hier bringt der Schnee zum Glück auch gerade etwas Licht in die große Dunkelheit …. Alles Liebe!

    1. Danke dir 😊✨ Alles Liebe dir und einen schönen vierten Advent ✨❄️

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