Vom Wiedereinsteigen, sanften Tagen und Alpträumen

Der Berufsalltag (also jenen, in dem ich für meine Arbeit tatsächlich bezahlt werde…) liegt vor mir, wie ein stiller See, dunkel und noch unbekannt; wie ein Wasserloch in der Savanne, ein Ort, wo es Wasser gibt und Austausch mit anderen (gerade darauf freue ich mich besonders). Doch beim Wasserloch gibts immer auch die Löwen und Krokodile, und nein, hihi, meine Arbeit ist absolut ungefährlich, aber halt doch mit Verantwortung verbunden und einem gewissen sich exponieren.

Jedenfalls tippte ich meine Zehen ins kühle Nass. Seltsam war’s, gleichzeitig vertraut und doch irgendwie neu und anders, ein bisschen frisch und ich ein bisschen unsicher. Noch kommt das Wasser mit nicht zum Bauchnabel, doch l‘eau est bonne – hoffentlich. Das kleine bisschen Distanz von zu Hause und den Mädchen tat jedenfalls gut und gab mir neuen Auftrieb im Alltagsgeplätschere und ich freute mich richtig auf die beiden und aufs zu Hause sein und hüselen und selbst das angeklebte Nudeln vom Boden aufwischen war mir recht. Nachmittags zogen dunkle Gewitterwolken über den Himmel und es grollte und donnerte. Irgendwann prasselte ein wilder Regen laut aufs Dach und es roch nach nasser Erde.

Schildkröte genoss den Regen auf ihrem Rücken

Der Nachmittag war sanft und so wollte er auch gelebt werden. Wir assen Datteln mit Mandelmus. Lily nahm all ihren Mut zusammen und biss in die dunkle, schrumpelige Frucht, meinte dann, die sei ja gar nicht so schlimm, aber sie nenne sie nicht Dattel sondern Zirkusmandel. Okay, mir soll’s recht sein. Dann malte sie – einmal ein Bild, das mich an den dunklen See erinnerte und dieses Herzensbild – „die Roten sind wir zwei auf einer Blumenwiese, und das Grüne da wäre unser Hund, wenn wir einen hätten“.

Ich beschloss, es einzurahmen. Dann wurde es Abend, Sterne tanzten am Rahmen vom sanften Tag und ich hoffte, auch ihn sorgfältig aufbewahren zu können. Die Nacht kam und mit ihr die Dunkelheit.

Im Morgengrauen hatte ich einen Alptraum: in unsrem Schlafzimmer fehlten ganze Bodenteile, ich passte nicht auf, und Lily fiel im Sturzflug in die Tiefe. Ich saß beinah im Bett. Lily, die sich mitten in der Nacht in unser Bett geschlichen hatte, atmete ruhig neben mir. Ich schielte über den Bettrand. Keine fehlenden Bodenteile. Gottseidank. Seltsam eigentlich, sagt man Höhenangst. Fürchtet man sich nicht vor der Tiefe? Die blauen Vorhänge bewegten sich leicht im Wind. Erstes Morgenlicht. Stille. Frieden. Ich dachte an den Traum. Fürchte ich mich vor der Tiefe? Oder davor, zu wenig aufzupassen, zu wenig zu bemerken? Davor, das Kostbarste zu verlieren?

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4 Kommentare

  1. Du hast deinen neuen Berufsalltag sehr poetisch beschrieben. Mir gefällt das Bild vom stillen See, dunkel und unbekannt, lockend mit Neuem und Austausch.
    Vor einigen Wochen habe ich nach zwei Jahren Pause auch eine neue Stelle angetreten. Würde ich ein Bild meiner ersten Tage malen, wär’s ein Wasserfall, der in einen tiefen Tümpel fällt und das Wasser aufwühlt. Das Bild verändert sich ständig. Nichts ist klar. Um den Tümpel drängt sich die Herde dicht an dich. Es ist eng – so verdammt eng. Zwei Jahre Corona-Distanz hat bei mir Spuren hinterlassen. In der Zwischenzeit habe ich mein Revier abgesteckt und erkenne Muster in den Wirbeln. 🙂

    Ich wünsche dir, dass das dir Abtauchen in deine neuen Aufgaben bereichernde Erfahrungen bringt. Viel Erfolg – Emma

    1. Merci dir! Dein Wasserfall – Bild gefällt mir sehr. Der Dichtestress seit Corona fällt mir auch immer wieder auf – oder vielleicht ist es mir jetzt auch einfach mehr bewusst…
      Ich wünsche dir weiterhin ein gutes Einleben an der neuen Stelle!

  2. Das ist bestimmt ungewohnt nach der langen Zeit wieder einzusteigen. Mir gefällt der ‚Grüne Hund‘. Da hat wohl ein hilfreicher Hundegeist eingefunden.

    1. Ja, es ist ungewohnt aber ich freue mich auch darauf. Es fühlt sich jetzt stimmig an. Mir gefällt der „Grüne Hund“ auch. Er sieht sehr freundlich und hilfsbereit aus, gell. Und ist von Lily sehr ersehnt. Drücke dich

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