Ich schaue der Sonne beim Aufgehen zu – im Osten dieser flimmernde Feuerball und dabei wird mir kalt, richtig kalt, mit Hühnerhaut und aufgestellten Härchen.

Dann lese ich die News. Und bin traurig. Und wütend. Und hilflos.

Das Seltsame ist, dass alles so normal wirkt.

Die Sonne steht jetzt schon weiter am Himmel, strahlend und hell und überall ist Neuanfang und Leben, voller Vogelgezwitscher und Hundegebell und Kinderlachen, voller Käfer und Ameisen und kleiner, zäher Blumen, die sich eben erst entschlossen aus der Dunkelheit hochgekrochen haben und jetzt verwundert in die Sonne blinzeln. Über ihnen ein heller, friedlicher Himmel, Vögel, vielleicht mal eine Wolke, und ohne die urkalte Bise fühlt es sich fast ein bisschen an wie Frühling. Lily hört sich die Kinderlieder an und informiert mich, dass das Christkind bald komme.

Wann? frage ich.

In 20 Minuten, sagt sie.

Haha

Ich sehe die Welt, so voller Schönheit und Kraft und Kostbarkeit und gleichzeitig sehe ich sie wie ihr eigenes Negativbild. Darin leuchtet die Ungerechtigkeit gespenstisch, leicht fratzenhaft und auch bedrohlich.

Vielleicht ist auch alles auf einmal, vermischt, verknoten, verdreht.

Und überall das Wissen, dass genau jetzt Dinge passieren, die nicht passieren sollten. Nicht dürften. Nie. Nirgends.

Weltschmerz.

Ich verstehe sie nicht.

Aber ich hoffe, hoffe, hoffe.

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