Ich muss gestehen. Ich hatte absolut keine Lust, beide Mädchen für diese Kälte warm anzuziehen. Ich wollte die kleine Fee in den Kinderwagen stecken und einfach mal in meinem Tempo laufen. 

Ich wollte keinen Kinderspaziergang. Kein Schneckenhäuschensammeln. Kein Pfützenhüpfen. Und keine Diskussionen. 

Ausserdem wollte Lily eh nicht nach draussen. Sie wollte ihre Autos waschen. Po, Po, Po Pätrol sang sie dazu. 

Himself? Kannst du heute so nach Hause kommen, dass es noch ein bisschen hell ist? rief ich ihn an. Kurz nach fünf Uhr nachmittags steckte ich die kleine Fee in ihren kleinen roten Overall und tigerte mit ihr vor dem Fenster herum. 

Dann, in dieser seltsamen Zwischenzeit zwischen Tag und Nacht, zogen wir los. Der Mond war bereits da, als helle Sichel und seltsam gekippt, so als sei er müde und müsste sich mal eben ein bisschen ausruhen. Der Morgenstern blinzelte.

Die Herbstbäume streckten ihre nackten Äste weit hinaus. Einzelne Blätter, die sich noch immer festklammern konnten, schaukelten leicht und wirkten im dunklen Abendlicht fast wie kleine Scherenschnitte.

Ausser uns war niemand unterwegs. Ich mochte die Dunkelheit, es war, als könnte ich mich in ihr verstecken. Das tat gut, und nicht nur, weil ich in einem Paar augewaschener Schwangerschaftsleggins und ungleicher Socken unterwegs war, nein, auch weil ich so ganz alleine sein konnte mit meinen Gedanken. 

Die kleine Fee schaute mit grossen Augen ins Abendblau. 

Irgendwann schlief sie ein. 

So zart. 

Die blaue Stunde wickelte uns ein. 

Sie gab mir, was ich brauchte. 

Rückzug.

Einen Moment Stille. 

Das Funkeln des Morgensterns. 

6 Gedanken zu “Die blaue Stunde…

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