Die Nachthexe

Ah ja, meine Sehnsucht nach einer Nacht, die nur mir gehört, nach einer Dunkelheit, die heilt, und in der ich ganz ich sein kann, tief und friedlich und neu… 

Wisst ihr noch? 

Die Wahrheit ist: Ich wache. 

Oder öfter noch: ich werde geweckt. 

Manchmal sehe ich dann aus wie eine 129 jährige Hexe. Bucklig, Haare wild, Augen wild, Stimme krächzend. Mir fehlt bloss noch der Rabe. Und die Warze. 

Lass uns in Frieden einschlafen und in Frieden aufstehen, singe ich den Mädchen im blauen, sich langsam ausfransenden Abend. Doch dann, mitten im Nachtdunkel, da könnte ich ganz schön fauchen. Tu ich manchmal auch. Tut mir dann leid. Aber, die 129 jährige Hexe ist einfach schneller als ich. Lasst mich doch alle mal in Ruhe schlafen, krächzt sie, die Haare ganz verstrubbelt. Über ihr schlägt ihr Rabe mit den Flügeln.

Ich lasse sie in die Nacht hinausrauschen. 

Ich bleibe. 

Ich wache. 

Ich träume. 

Ich suche. 

Nach Schlaf, nach Dunkelheit, nach Rat, nach mir. 

Das Morgenlicht blinzelt ins Zimmer, die Sonne spiegelt sich im offenen Fenster.

I bi ä Schatte, ruft das grosse Mädchen. 

Ich auch. Hihi. Ich auch. 

Und ebendieser Schatten schleicht sich jetzt in den hellen Tag und wuselt und werkelt und tut, und träumt, dann und wann, von Ruhe und Dunkel und Nacht.

5 Kommentare zu „Die Nachthexe“

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