Das Werden ( & mein persönlicher Schwangerschaftswohlfühlguide)

Die Zeit der Schwangerschaft ist fast vorbei. Die Zeit der grossen Veränderung, schön zwar, aber ganz schön holprig. Zeit, einen Moment still zu stehen und zurückzuschauen. Ich bin etwas ausser Atem. Wortwörtlich, übrigens. Ich habe viel gelernt. Vor allem darüber, wie es mir in einem gefühlten Alterssimulator trotzdem gut gehen kann, oder doch wenigstens ein bisschen besser. Ausserdem einiges interessantes und merkwürdiges zur Zahl 40, der Anzahl Schwangerschaftswochen. Seid ihr dabei?

Datteln Damit hat alles angefangen. Datteln essen sei ein Geheimnis, um schwanger zu werden. Also ass ich Datteln, immerhin sind sie süss und reichhaltig, und kein Lebertran. Zufall oder nicht, jedenfalls hielt ich einen Monat später den positiven Test in den Händen. Sie sind reich an Ballaststoffen, Mineralstoffen wie Kalium, Kalzium und Magnesium sowie B – Vitaminen und sollen zudem bei Einschlafproblemen helfen (Schlafen… gleich mehr dazu!) Ausserdem solle man im dritten Trimester 4 – 6 Datteln am Tag essen, da dies die Geburt erleichtern könne; so solle die Eröffnungsphase kürzer sein und nach der Geburt weniger schwere Blutungen auftreten.

Schlafen Und zwar, wenn immer möglich;) Im ersten Trimester habe ich manchmal versucht zu schlafen, bloss, damit mir für ein Weilchen nicht schlecht ist. Ausserdem, diese Müdigkeit! Hilfreich gegen die Schlaflosigkeit fand ich Akupunktur, ein Stillkissen, um bequem zu liegen und ein ColdPack gegen die heissen Füsse.

Hilfe gegen die Übelkeit Okay, so richtig, richtig geholfen hat nichts. Einiges hat die Übelkeit (jedenfalls für eine kurze Zeit) ein bisschen erleichtert. Essen half: meist musste ich mich zwar zum Essen zwingen, aber trotzdem war mir die drauffolgenden 2 Minuten nicht schlecht. Immerhin. Gelernt habe ich auch, welches Essen mir guttut. Süsses gehörte leider nicht dazu. Besser war alles, das dabei half, den Blutzuckerspiegel möglichst stabil halten und vor allem regelmässig zu essen. Ein Weilchen habe ich über alles extra scharfe Sauce gekippt, so lange, bis ich gehört habe, dass das Fruchtwasser den Geschmack annehme. Armes Zabli. Bei Lily hatte ich 9 Monate lang bloss Lust auf Mint Magnums (die man hier nicht kaufen kann…) und Gorgonzola (den man schwanger nicht essen sollte…) Hmmm. Diesmal hatte ich Glück und vor allem Lust auf frische Produkte, frische Früchte, frisches Gemüse und Salat etc. Ganz vorbildlich, also. Ich bin jedoch überzeugt, dass diese gesunde, oder zumindest gesündere Ernährung einiges dazu beitrug, mich in meiner Haut so wohl wie möglich zu fühlen (Ausserdem liess ich meine Blutwerte überprüfen und mir wurde Eisen und Vitamin D und B12 verschrieben, es ging mir gleich so viel besser…) Kaugummi kauen half. Schlafen half. An was Wohlriechendem schnuppern half: besonders mochte ich den Geruch von Zitrusfrüchten. Ich schnupperte an ihnen, legte ihr Schalen aus und spritze etwas von ihrem Saft in brennende Kerzen, stellte mir vor, ich sei in Italien, auf einem Hügel, umgeben von Orangenbäumen. Mich selber belügen half: ich bin in Italien, schnupperte ich ich mir ein… in einer Stunde geht’s dir besser, schwindelte ich mich an, morgen geht’s dir besser.. Und langsam, langsam lebte ich in die Wahrheit hinein und es wurde leichter.

Bequeme Pijis Was soll ich sagen? Das Leben ist so einfach schöner… 

Netflix Manchmal musste ich mich einfach wegschauen. Ich floh mich besonders gerne Serien: Shtisel, Derry Girls und Ragnarök. Wenn ich in Jerusalem war, oder in Nordirland oder in Norwegen ging es mir besser. Ah, Norwegen! Das liebte ich besonders. «Himself», rief ich dann ab und zu, «ich will nach Norwegen!». Ganz egal ob mit Netflix, einem Buch oder einfach nur einer Tagträumerei, Hauptsache, man nimmt sich selber eine Auszeit und geht irgendwo hin, wo es einem gut gefällt. 

Beauty Seien wir mal ehrlich: oftmals fühlte ich mich schon siebenmal wie wiedergekaut. Dann tat es mir gut, nicht auch so auszusehen. Ich genoss es, was Hübsches anzuziehen, zum Coiffeur zu gehen, ab und zu mal ein Bad oder ein Fussbad nehmen, diese halfen auch gegen die schmerzenden Füsse und Beine, ebenso wie das Rosskastanien-gel. Nachtkerzenölkapseln gegen trockene Haut und eine besonders reichhaltige und feinduftende Lotion waren der Himmel. Ich empfehle zudem, sich auch mal in Seitenlage vor den Spiegel stellen, so dass das Bauchwachstum in einem sicheren und kontrollierten Rahmen beobachtet werden kann (und kein Schock entsteht, wenn man sich mal im Vorbeilaufen in einem Schaufenster spiegelt, oder wie in meinem Fall, sich ab dem eigenen dickbäuchigen Schatten erschrickt;)

Meditieren Ich wäre schon immer gerne jemand gewesen, der meditiert. Etwa so, wie ich auch gerne auf Hawaii leben würde. Oder gut nähen, oder Margheritas mischen könnte. Doch in den letzten Monaten habe ich angefangen, tatsächlich zu meditieren. Seither ist mein Leben anders. Besser. Ruhiger. Ausgeglichener. Tiefer. Wirklich! Und ich bin entspannter und geduldiger. Ausserdem habe ich mich mit Hypnobirthing auseinandergesetzt. Da geht es unter anderem drum, sich während der Geburt durch verschiedene Meditations- und Atemtechniken zu entspannen, was zu einem positiveren Geburtserlebnis und mit weniger Angst und weniger Schmerzen führen soll. Oder zumindest dabei, ruhiger mit den Schmerzen, mit Ungeplantem oder unerwarteten Komplikationen umgehen zu können. «Normal» meditiert habe ich vor allem über geleitete Meditationen von www.doyogawithme.com. «Geburtsspezifische» Meditationen fand ich auf www.builttobirth.com. Ist halt beides auf englisch, aber beides gut!

Bewegung Mit Yoga ging es mir so ähnlich wie mit meditieren. Ich habe erst im letzten Jahr damit begonnen und jetzt will mein Leben lang nie, nie, nie mehr damit aufhören. Auf www.doyogawithme.com gibt’s übrigens auch eine ganze Sammlung an Schwangerschaftsyoga, die mir immer wieder geholfen haben; bei Beinschmerzen, Rückenschmerzen, Rippenschmerzen, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen und beim Allgemeinen Unwohlsein. Yoga hat enorm viel dazu beigetragen, dass ich mich trotz Alldem noch beweglich, kräftig und wohl in meiner Haut fühlte. Hauptsache ist jedoch, sich überhaupt zu bewegen, denn so eine Geburt ist ein Marathon und der geht halt ringer, wenn man die letzten 9 Monate nicht nur auf dem Sofa lümmelte… Schwimmen sei auch super, aber da ich kein Badityp bin und die Seen meiner Meinung nach aktuell noch viel, viel, VIEL zu kalt sind, blieb es halt beim Yoga – und beim Spazieren (empfohlen wird schnelles Spazieren, aber drängt mich nicht, ich gehe ja!) Ich gehe.

Trinken, trinken, trinken! Also Wasser. 

Ein Bauchgurt brachte grosse Erleichterung für den Bauch, den Rücken und das Becken

Eine Hebamme, der man vertraut, ist Gold wert – noch wichtiger ist jedoch, sich selber, der eigenen Intuition zu trauen.

Keep it simple Über Schwangerschaft und Geburt gibt es unendlich viele Informationen «da draussen». Es ist ein Dschungel, in dem man sich leicht verirren kann. Mir zumindest ging es so, mittlerweile habe ich gelernt, es möglichst einfach zu halten. Keep it simple gilt auch für die Geburt. Ich kann doch keinen Riesenrucksack an Strategien mitnehmen. Sonst finde ich vielleicht nicht mal das Zahnbürstli. Ich werde versuchen, «es» so einfach wie möglich zu halten. Das Wichtigste ist, einfach zu atmen. Ich nehme eine Visualisierung, eine Entspannungstechnik und eine Affirmation in meinen «Kopfkoffer» (okay, vielleicht zwei;)) und ansonsten nur meine geführten Meditationen mit, um mich mental rauszuzoomen, wenn ich es brauche. Oder besser gesagt, in mich hinein. 

Das Werden: nachdem die kleine Seele weitergezogen war, schenkte mir Himself diese beiden kleinen Orchideen. Das eine Pflänzchen starb ab, das andere begann, neue Knospen zu bilden. Und jetzt, kurz vor der Geburt, beginnt es, seine erste Blüte zu öffnen.

Und nun zur 40…

Der Anzahl Schwangerschaftswochen.

40 gilt als Zahl der Veränderung, und steht symbolisch für Wende und Neubeginn: vierzig Jahre dauerte die Wanderung von Ägypten nach Israel, vierzig Tage verbrachte Moses auf dem Berg Sinai, 40 Tage war Jesus in der Wüste, 40 Tage nach Ostern ist Auffahrt… Der Prophet Muhammad war bei seiner ersten Offenbarung 40, die Könige David und Salomon regierten je 40 Jahre; im babylonischen geht das Wort für Vierzig auf das Wort «Fülle» oder «Fülle des Lebens» zurück. Im Hebräischen ist vierzig mit dem Buchstaben mem verknüpft, mem wiederum mit dem Wort für Wasser – mayim – der Quelle des Lebens; in Kabbalah repräsentiert die Vierzig die vier Ecken der spirituellen Welt. Der deutsche Bundespräsident muss mindestens 40 Jahre alt sein und in Frankreich gilt man ab 40zig offiziell nicht mehr als mademoiselle;)). Quarantäne bedeutet wortwörtlich «40 – tägige» (da hatten wir ja nochmals Glück;)) und ein Monopolybrett hat 40 Felder (okay, hat wohl nichts zu bedeuten, hihi). 

Ausserdem sind Minus 40°Celsius und Minus 40°Fahrenheit die gleiche Temperatur.

Soviel zu diesen 40 Wochen, der Zeit der Veränderung, der Zeit des Neubeginns, des neuen Lebens, kostbar und verletzlich und voller Wunder. 

Machts gut! Eure mademoiselle

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2 Kommentare

  1. Ach, deshalb esse ich so viele Datteln! Liebste Grüße und alles Gute für Dich!!!

    1. 😊 danke dir!

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