Die Listenschreiberin

Ich schreibe Listen. Einkaufslisten, to – do Listen, Pro und Contra Listen, Namenslisten. 

Wir ziehen um. Ein Haus weiter, aber dennoch, und jetzt schreibe ich diese Listen, zu oft und häufig bloss in meinem Kopf, meist mitten in der Nacht, wenn ich mich mal wieder hin und her wälze. Irgendwann fallen die Nachtgedanken dann leise durch die weiten Schlafmaschen.

Meine Hebamme meinte, um das nächtliche Grübeln und Listenschreiben zu unterbrechen und schnell wieder einschlafen zu können, solle ich in einen „draussen bereit gestellten Zuber mit Wasser“ stehen, solange, bis meine Füsse schmerzten (na ja, das wäre dann wohl eine Millisekunde). Ich weiss nicht. Das hört sich schon extrem an, jedenfalls für mich, eine bekennende Warmduscherin.

Nebst der Listenschreiberei habe ich eine Schreibblockade. Und auch eine Theorie, weshalb. Durch die Übelkeit, die Komplikationen, den Umzug und die Pandemie bin ich in Fight or Flight gelandet, und darin gibt es keinen Platz für Kreativität. Ausserdem ist der Kopf schon ziemlich voll. Mit all den Listen. Jedenfalls fühlt sich Schreiben aktuell etwa so attraktiv an, wie in einem Zuber Eiswasser zu stehen. Wie mit der Zunge an einer gefrorenen Metallstange festzukleben. Worte kommen dabei nämlich auch keine raus. Jedenfalls keine klaren.

Gut tut, rauszugehen und den Kopf durchlüften zu lassen.

Gestern stapften wir durch den frischen Schnee. Er knirschte. Alles glitzerte, der Schnee, der Wald, unter uns der See. Wir waren in Himselfs und Lilys Heimatort, der Ort, wo der NASA Chef aufgewachsen ist. 

Ich habe mir immer vorgestellt, wie wohl die Sterne über mir aussehen würden, an einem anderen Ort, sagte er in der Doku, die ich kürzlich über ihn gesehen habe. Mitten im Glitzern und der Kälte dachte ich an diese Worte.

Und nahm sie mit.


11 Antworten zu “Die Listenschreiberin”

  1. Liebe Nina,
    wieder ein wunderschöner Text von dir. Deine Geschichten haben es mir richtig angetan: Sie sind ausdruckstark, fantasievoll, poetisch und immer auch versehen mit einem Quentchen Humor. Ich hoffe sehr, dass du auch weiterhin Zeit zum Schreiben findest, – dir und deinen Blog-Lesern zur Freude! In herzlicher Verbundenheit, dein M.

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Nina
    Man kann und MUSS nicht alles gleichzeitig tun. Für alles gibt es seine Zeit. Und jetzt ist für dich eine Zeit, wo’s wichtigere Dinge gibt, als einen Blog zu schreiben. Hör auf deine innere Stimme – oder sollte ich sagen deine inneren Stimmen 😉
    Ich freue mich auf die Zeit, in der du wieder schreiben willst. Die wird wieder kommen. Entweder man hat dieses Virus oder man hat’s nicht. Du hast’s.
    Alles Gute – Emma

    Gefällt 2 Personen

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