diese wundersame Welt

Dies & Das, Geschichten aus dem Mamaalltag, Träumereien und Rezepte

Jesses, die Zeit fliegt.  Frühmorgens riechts bereits Herbst, unser Dyson Air Conditionier, der sauteuer war, aber jeden Rappen wert, in Winterpause und die Schwalben versammeln sich auf den Drähten, bald schon bereit für die grosse Reise. Ich stolperte eben über einen Text, den ich im Januar geschrieben habe. 

2020 ist kein Frischling mehr. Bisher scheint er nett und freundlich. Ausserdem gefällt mir der Name. Zwanzichzwanzich. 2019, der alte Hase, war ein Langweiler mit Hang zum Drama und wenn ich ehrlich bin, bin ich ganz froh, dass er schon vor einem Weilchen davon hoppelte. Kürzlich habe ich am Radio gehört, wir Menschen seien Kapiteldenker. Kapitel 2020 startete mit viel innerem Schwung und der leisen Ahnung, dass vor allem ich Verantwortung trage für mein neues Jahr.

Ja, und dann fing sich 2020 einen Virus ein und hüstelte die eigene Wahrheit: Leben ist aussuchen stimmt so nicht, begann er. Das Leben spielt mit. Und es teilt auch gerne mal Karten aus, mit denen wir grad so gar nichts anfangen können. Wir können nicht alles kontrollieren, nicht alles beeinflussen, nicht immer gewinnen. Leben ist aussuchen, welche Risiken wir zu nehmen bereit sind und welche Träume es uns wert sind zu verfolgen. Leben braucht Initiative und Disziplin und Eigenverantwortung. Leben ist aussuchen, fuhr er fort, das ist eine privilegierte Aussage. Chchchch.

Was meinst du, wechselte es plötzlich das Thema, spielen wir eine Runde? Es begann die Karten auszuteilen. Mir entglitt das Pokerface. Denn es hat Recht. In welche Zeit, in welches Land, in welche Familie, in welchen Körper wir geboren werden, ist pures Glück. Und doch bilden wir uns so viel darauf ein. Ausserdem, riss 2020 mich aus meinen Gedanken, ausserdem ist das Leben zwar bunt, aber es mag Probleme. Wir müssen wissen, welche Träume wir zum Leben erwecken wollen, und dann, dann müssen wir dafür einstehen. Mit beiden Beinen. Und vergiss nicht, wie wir auf schlechte Karten, auf Widersacher und auf Rückschläge reagieren, das ist unsere grösste Freiheit. 

Jetzt fühlte ich mich fast etwas besinnlich. 2020 auch. Kennst du das Gelassenheitsgebet? fragte es, und ohne meine Antwort abzuwarten, begann es feierlich zu zitieren: Gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden. 

Dann schmiss es sich ein Ibuprofen ein, zog sich die Decke über den Kopf und murmelte noch was, das klang wie ich hoffe bloss die finden bald einen Impfstoff. 

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